Wednesday, 19 March 2014

"Jedermanns Lieblingsschurke" in Uniklinik

Der Abschluss des diesjährigen Museumsfestivals war zugleich eine Eröffnung: Mit der Plakatausstellung "Gert Fröbe - Jedermanns Lieblingsschurke" zog das Erich Kästner Museum am Montag, den 24.02., als Gast in das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus ein.



Der Sammler Markus Grieb stellte anlässlich des 100. Geburtstages des bekannten Schauspielers Filmplakate, aber auch Fotos aus Filmen und Gerd Fröbes Leben zur Verfügung. Die Originale wurden vom Architekturbüro Ruairí O’Brien reproduziert und sind nun im Haus 62 auf der Schubertstraße 38 zu sehen.



Nach der Begrüßung und einigen einführenden Worten vom Leiter des Geschäftsbereiches Bau und Technik Herr Kluge, gab Ruairí O’Brien als Vorsitzender und Erfinder des Erich Kästner micromuseums eine Einleitung zur Ausstellung.


Eine literarische Laudatio für die beiden berühmten Zeitgenossen hielt der Schauspieler und Kabarettist Theo Richtsteiger. Mit Geschichten und Anekdoten aus dem Leben der beiden Künstler erfreute und erheiterte er das anwesende Publikum und ließ dabei auch sein „sächsisches Herz“ sprechen.


Hintergrund: Was hat ein Klinikum mit alter Kinowerbung zu tun? Dresdens bekanntester Autor Erich Kästner ging hier einmal zur Schule – am 15. Januar 1919 trat er in das damalige König-Georg-Gymnasium ein und legte noch im gleichen Jahr das Abitur ab. So stellt das heutige Universitätsklinikum einen authentischen Ort aus Kästners Leben dar, wie auch das Literaturhaus Villa Augustin in der Dresdner Neustadt.
Erich Kästner und Gert Fröbe haben einiges gemeinsam: Beide sind „Deutsche aus Sachsen“, Zeitgenossen, die es auch ‚in der weiten Welt zu etwas gebracht’ haben und der Kunst des jeweils Anderen durchaus zugewandt waren. Beide haben es nach Hollywood geschafft: Fröbe u.a. als Bösewicht in „Goldfinger“, Kästner als Dialogschreiber für „All about Eve“. Beide Männer erlagen im Alter von 75 Jahren einem Krebsleiden.


Neben der Plakatausstellung im Universitätsklinikum wird auch der Fröbe-Koffer im Erich Kästner Museum noch bis auf weiteres zu sehen und zu erkunden sein.

Wednesday, 26 February 2014

Lyrischer Geburtstagsabend

Zum Abschluss der Geburtstagsfeierlichkeiten begrüßten wir am Abend den Dresdner Schriftsteller und Dichterbiografen Wolfgang Hädecke.


Anhand mehrerer Themenschwerpunkte, unter anderem Krieg, Liebe, Kinder, Religion und Humor, stellte er in einem abwechslungsreichen Vortrag Texte aus der facettenreichen Lyrik Erich Kästners vor.



Wolfgang Hädecke gab sowohl biografische und historische Hintergrundinformationen, als auch kritische Kommentare zu einzelnen Arbeiten. Nach der Lesung stand der Schriftsteller noch für Fragen des Publikums zur Verfügung.


Literarisch-musikalische Geburtstags-Matinée

Am Sonntagvormittag begingen wir den 115. Geburtstag unseres Hauspatrons mit zwei namhaften Künstlern und zahlreichen Gästen.



Mit einem hauseigenen musikalisch-literarischen Kästnerprogramm zogen Mike Zaka Sommerfeldt und Philipp Riedel die Zuhörer in den Bann ihrer Kunst - und der des vor 40 Jahren verstorbenen Autors.


Der Schauspieler Mike Zaka Sommerfeldt erschien als Professor Th. Saurus, ehemaliger Hauslehrer der Augustins und damit auch Kenner der Familie Kästner. Er plauderte gewissermaßen 'aus dem Nähkästchen' über 'die alten Zeiten' in der Villa und rezitierte aus dem Werk von Erich Kästner. Dabei brachte er ernstere Lyrik, aber auch Heiteres, zum Bespiel aus den Kinderbüchern, zu Gehör.


Unterstützt wurde er dabei von Pianist und Sänger Philipp Riedel, der den lebhaften Vortrag des Professors mit teils melancholischen, teils beschwingten, selbst vertonten Käsnter-Liedern begleitete. Beide hatten entsprechend des Festivalthemas Texte über den Verlust der Liebe und das Wiederfinden der Kindheit gewählt. Dass es Ihnen gelang, das Publikum mitzureißen, merkte man unter anderem daran, dass sich einige sogar die Tränen aus den Augen wischten...

Monday, 24 February 2014

Apéro-Treff für Kästner-Viertel

Am frühen Samstagabend wurde der Grundstein für den Kästner-Kiez gelegt. Kulturinteressierte Gastronomen, Einzelhändler und Hoteliers waren in die Villa Augustin gekommen, um Ideen für ein weltoffenes und auch nach außen für Touristen und Einwohner der Neustadt erkennbares Kästner-Viertel zu sammeln.


Mit einer einleitenden Präsentation weckte Museumsleiter Ruairí O'Brien zunächst das Bewusstsein der Teilnehmer für die Prominenz ihres Viertel. Neben den Wohnhäusern der Familie Kästner gibt es noch viele weitere Orte, die vor allem in den Kindheitserinnerungen des Autors beschrieben werden und heute noch präsent sind.


Anschließend wurden verschiedenste Vorschläge diskutiert. Vor den Sommerferien soll es ein Folgetreffen geben, bei dem wir uns auf die Teilnahme der diesmal leider verhinderten Interessierten und weiterer Begeisterter freuen, um die Vorschläge zu konkretisieren.

Stadtspaziergang auf den Spuren Erich Kästners

Den Outdoor-Höhepunkt unseres Festivals bildete der Stadtspaziergang am Samstagnachmittag. Bei strahlendem Sonnenschein starteten wir mit über 40 Teilnehmern an der Villa Augustin um Kästners Dresden-Neustadt zu erkunden.



Kabarettist und Kästner-Kenner Theo Richtsteiger versorgte uns an verschiedenen Haltepunkten mit zahlreichen Anekdoten und Kostproben aus dem umfangreichen Werk des berühmten Sohnes der Stadt.



Dresdnerinnen und Dresdner lauschten ebenso gebannt wie DresdenbesucherInnen von auswärts den imposant vorgetragenen Gedichten und Epigrammen, nicht selten gab es zustimmendes Nicken. Dass es für einige nicht die erste Begegnung mit Kästner war, merkte man auch daran, dass manche Zuhörer die Texte sogar im Stillen mitsprachen.


Unterstützt wurde Schauspieler Richtsteiger von Stadtbilderklärerin Angelika Törpsch aus dem Erich Kästner Museum, die die literarischen Ausflüge mit wichtigen Informationen zu Kästners Kindheitsorten ergänzte und so eine konkrete Verortung in der heutigen Neustadt ermöglichte.


Der Rundgang endete im Hinterhof von Kästners Geburtshaus, der Königsbrücker Straße 66, wo wir uns nach rund zwei Stunden Kästner-Retrospektive verabschiedeten und viele auch heute noch aktuelle Gedanken des Dichters mit in den Nachmittag nahmen.

Saturday, 22 February 2014

"Zeig' mir wie du stirbst und ich sag' dir wer du bist."

Nach den unsterblichen Helden im Comic und der Rückbesinnung auf die Vergänglichkeit aus weltgeschichtlicher und bildkünstlerischer Perspektive, beschäftigten wir uns am Freitagabend mit Tod und Sterben in der Literatur. Dazu referierten zwei Literaturwissenschaftlerinnen durchaus lebhaft und anregend:


Zunächst sprach Doreen Franz über Erich Kästner und den Tod, wobei neben seinen persönlichen Erfahrungen vor allem das letzte Kapitel im Leben und Werk des Autors im Mittelpunkt stand. Erich Kästner verlor nicht nur zahlreiche Wegbegleiter und enge Freunde, sondern beschäftigte sich auch in seinen Werken immer wieder mit dem Lebensende.


Um das Wie des Sterbens ging es im zweiten Vortrag von Dr. Jasmin Grande: So war das Sterben einst ein sehr aktiver Prozess und die ars moriendi (Kunst des Sterbens) ist einer der großen Topoi der Weltliteratur. Von Else Lasker-Schüler und dem Tod des lieben Gottes bis zu Thomas Bernhard, bei dem der Sterbeprozess in das Wiedererwachen mündet, stellte sie anhand einzelner Texte verschiedene Aspekte des unvermeidlichen Vorgangs und den Wandel des Darüber-Schreibens im letzten Jahrhundert vor.


Schließlich eröffnete Doreen Franz als Kuratorin die neue Kabinettausstellung des Erich Kästner Museums "Vom letzten Kapitel - Erich Kästner und der Tod", in der neben dem direkten Bezug zum Autor auch vielseitige Inhalte zur Thematik allgemein geboten werden. Die Besucher nutzten die Gelegenheit, gewissermaßen als Pioniere die Schubladen der neu bestückten Ausstellungsmodule zu erkunden. So endete ein alles andere als morbider Abend bei Wein und guter Lektüre, denn, um es mit dem Untertitel einer bekannten US-Serie zu sagen, "Gestorben wird immer".